Überstunden – Muss ich die machen?

Wer kennt es nicht: Die Überstunden! Aber muss ich die machen?

Im europäischen Vergleich werden in Deutschland die meisten Überstunden geleistet. Laut einer Studie fallen auf deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich rund drei Überstunden pro Woche an. Als Extrembeispiel fielen beim G20-Gipfel in Hamburg bei der Polizei fast 425.000 Überstunden an. Da stellt sich die Frage, ob das überhaupt im Arbeitsrecht rechtlich zulässig ist und welche Rechte dem Arbeitnehmer zustehen.

Grundsätzlich sind Arbeitnehmer nicht dazu verpflichtet, Überstunden zu leisten. Die Rechtslage ändert sich jedoch, wenn etwas anderes im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in der Betriebsvereinbarung geregelt wurde. Außerdem kann der Arbeitgeber in besonderen Situationen wie bei unvorhersehbaren, krankheitsbedingten Personalengpässen oder einem Technikausfall Mehrarbeit anordnen.

Überstunden - Muss ich die machen?Arbeitnehmer haben aber auch das Recht, Überstunden abzulehnen, wenn sie mehr als zehn Stunden täglich arbeiten und innerhalb von sechs Monaten keinen Freizeitausgleich erhalten können. Ebenso dürfen die acht Stunden Arbeitszeit nur auf bis zu 10 Stunden täglich angehoben werden, wenn innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen die Arbeitszeit werktäglich nicht um acht Stunden im Durchschnitt überschritten wird. Zudem muss hier auch die Einhaltung der Ruhezeiten nach § 5 Arbeitszeitgesetz berücksichtigt werden. Etwas anderes gilt nach einmal bei Arbeitnehmern, die in Rufbereitschaft arbeiten, wie zum Beispiel angestellte Ärzte oder Mitarbeiter im Rettungsdienst. Hier darf die Arbeitszeit auf über 10 Stunden angesetzt werden, wenn ein Teil der Arbeitszeit nur auf Bereitschaft ausgelegt ist oder die Regelung auf höchstens 60 Tage im Jahr beschränkt ist.

Überstunden verdorn Ihren Ausgleich

Werden Überstunden abgeleistet, so wird regelmäßig eine Freizeitausgleich oder eine Entlohnung gewährt. Details hängen von dem Vertrag ab. Arbeitsverträge mit einer Überstunden-Pauschalklausel sind nur dann wirksam, wenn der Arbeitnehmer im Bilde ist, was auf ihn zukommen kann und ein Höchstmaß festgelegt ist.

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer die Mehrarbeit ohne Anordnung freiwillig leistet. In diesem Fall stehen dem Arbeitnehmer die oben genannten Rechte nicht zu. Ebenso kann von leitenden Angestellten die Ableistung von Mehrarbeit erwartet werden. Für sie gilt das Arbeitszeitgesetz nicht.

Bei einigen Arbeitnehmergruppen ist sind Überstunden sogar nicht erlaubt. So sind werdende Mütter durch das Mutterschutzgesetz und Jugendliche durch das Jugendarbeitsschutzgesetz davon ausgenommen. Ebenso ist dies grundsätzlich bei Teilzeitbeschäftigten der Fall. Schwerbehinderte können gemäß § 207 SGB IX eine Freistellung verlangen.


zurück zur Übersicht »